Bruscetta

…und dann war da noch die Sache mit der Bruscetta. „Ich liebe Bruscetta“, man macht sie so…, dann muss man…, schließlich kommt es darauf an dass, ….aah wie geil schmeckt das!

 

Also geht die Order auf zwei Portionen an die Küche. Als die Platte erscheint, kommen mir leise Zweifel, Brucetta aus französischen Stangenweißbrot? Na schön, vielleicht bäckt diese Pizzeria nicht selber und das Ciabatta ist ausgegangen. Man kann´s ja mal versuchen…, aber es schmeckt, wie es aussieht. Labberig, die Tomaten nicht gehäutet und entkernt, der Knofi stand wohl daneben, jedenfalls hat er das Brot nie erreicht. Olivenöl? Keine Spur. Allgemein wird nur bemängelt, dass die Bruscetta kalt sei, aber das macht nun auch nichts mehr. Die Brucetta entpuppt sich als getoastes Baguette, das mit kalten Tomatensalat bestrichen wurde, der nimmt dem Brot natürlich die Wärme, dafür weichen die flüssigen Bestandteile der Tomate das Brot auf. Ich denke, mehr kann man an dieser Bruscetta nicht falsch machen…schade ansonsten war das Lokal ganz ordentlich, bis auf die Steinpilzpampe auf den Hammelkoteletts (gruselig), die Pizza sah gut aus und die Tintenfischnudeln rochen appetitlich.

 

Bruscetta

es handelt sich um ein sehr preiswertes

Amuse-Geule („Mund Unterhalter“),
Appetizer (Appetitanreger)
Fingerfood („Fingeressen“),
Antipasti („vor den Nudeln“),

ein ein kleiner italienischer Appetithappen, der in der Regel kostenlos, weil zum Couvert (Gedeck) gehörend serviert wird, während man auf das Essen wartet.

Vergleichbar in der deutschen Küche mit dem Brot und der Butter (die geschmacklich variiert sein kann), oder den verschiedenen Schmalz-Sorten, die man dazu anbietet. Bei uns steht dann ein Körbchen mit Brot/Brötchen auf dem Tisch, links oben neben dem Platzteller steht ein kleiner Teller, etwa so groß wie eine Untertasse, darauf ein kleines Messer, daneben diverse Töpfchen/Tiegel, die mit gesalzener Butter oder Kräuterbutter, Grieben- oder Gänseschmalz befüllt sind. So kann man schon satt werden, bevor das Essen überhaupt los geht.

 

Nun verhält es sich mit den Bruscetti, wie mit allen „Arme-Leute-Essen“: Die Grundzutaten sind einfach, billig und in jeder (italienischen) Küche vorrätig, das Brot darf vom Vortag sein, die Tomaten überreif, Olivenöl, Knoblauch, Salz, mehr muss es nicht sein, kann aber…Es kommt auf die liebevolle, geduldige italienische Mama an, die aus diesen einfachen Zutaten einen Genuss zaubert.

 

Das Brot: Es sollte sich um Ciabatta handeln. Es ist viel luftiger und großporiger als Weißbrot, wenn es gebacken wird, wird es viel knuspriger und saugt nicht soviel Olivenöl auf. Außerdem enthält es nicht so viel Zucker und ist bereits gesalzen. Es ist ganz einfach herzhafter.

 

Das Öl: Nur Olivenöl kommt in Frage! Es hat einen starken Eigengeschmack, der bei niedrigen Temperaturen auch erhalten bleibt und sich hervorragend ergänzt mit den Knoblaucharomen. Also auf kleinster Flamme die Chiabattascheiben auf beiden Seiten in reichlich Olivenöl anbraten. Das dauert…mindestens 20 Minuten, ideal, wenn das Brot außen rösch und innen noch weich ist.

 

Sehr wichtig ist der Zeitpunkt, wann Knofi auf Bruscetta trifft. In jedem Fall sollte die Röstphase des Brotes beendet sein. Knofi enthält zwar wenig Wasser aber auch das unterbricht den Röstvorgang, vor allem aber verbrennt er sehr schnell und schmeckt dann bitter. Also Brot goldbraun rösten, Pfanne vom Herd nehmen, Knofi drüber schütten, rühren und wenden, bis der Knofi ganz wenig Farbe genommen hat, die ätherischen Öle des Knofi sich mit dem Olivenöl verbunden haben, durch das Rösten entwickelt der Knoblauch auch erst einen runden Geschmack. Dann sofort alles aus der Panne schütten, weil die Restwärme den Knofi verbrennen würde. Nun darf auch Salz an die Chose.

 

Der Aufstrich: Nach dem man nun mit so viel Liebe und Geduld das Brot knackig bekommen hat, wird man alles vermeiden, was dazu führen könnte das Brot wieder aufzuweichen. Das „Darauf“ sollte also so trocken wie möglich sein. Das heißt die Tomaten müssen ihr Inneres lassen, die Haut auch gleich, weil die eh´ hart und überflüssig ist.

Es liegt also nahe während das Brot in Pfanne brutzelt, sich mit Hingabe den Tomaten zu widmen. Tomate auf die Gabel spießen und 5 Sekunden in kochendes Wasser halten, dann platzt die Haut auf und man kann sie ganz leicht von der Frucht ziehen. Abkühlen lassen, aufschneiden, aushöhlen, das äußere Fruchtfleisch in kleine Würfel (5x5x5mm³) schneiden, auf einem Küchentuch ausbreiten und vorsichtig abtupfen. Die Würfelchen in eine Schüssel geben, nun dürfen die Gewürze dazu. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt, alles was der mediterrane Kräutergarten hergibt darf hinein, vorzugsweise Basilikum und Oregano. Pfeffer und Chili sollte auch sein. Eine sehr fein geschnittene Zwiebel darf auch nicht fehlen. Das Ganze mit einem Löffel Olivenöl binden und ziehen lassen. Kein Salz hinzufügen! Das würde auf osmotischem Wege dazu führen, dass das Gewebewasser aus dem Gemüse austritt und die Sache wässrig wird, was wir unter allen Umständen verhindern wollten. Empfehlenswert ist, die Mischung vorsichtig im Ofen zu erwärmen, aber bitte nicht erhitzen, 50° maximal, eigentlich nur dazu gedacht die Bruscetti heiß servieren zu können.

…erstaunlich dass es so viel zu sagen gibt, zu einem so simplen Gericht wie Bruscetta.

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